Nürnberg. Am 04.09.2011 stand das Jedermann-Radrennen “Rund um die Nürnberger Altstadt” über 100km auf dem Programm. Obwohl diverse Erkältungen und Trainingsmüdigkeit im Vorfeld die Form auf ein Minimum sinken ließen, freute ich mich auf dieses Rennen. Insbesondere freute ich mich, dass meine Freudin mich erstmals zu einem Rennen begleiten würde. So erfolgte die Anreise nach Nürnberg ganz entspannt bereits am Vortag gemeinsam mit Sven nebst Gattin. Am Nachmittag stand noch ein individueller Stadtrundgang an, bevor wir am frühen Abend auf die übrigen Hallziger trafen und zum Abendessen einen Italiener aufsuchten, wo wir uns auf dem Balkon hoch über der Altstadt bei Pasta, Pizza und diversen Getränken für’s Rennen am nächsten Morgen stärkten.
Nach kurzer Nacht und zeitigem Frühstück ging es dann zum Start auf den Nürnberger Hauptmarkt. Die Sonne lugte mehr und mehr hinter der Kirche hervor und wärmte die nach und nach in der Startaufstellung eintreffenden Radler. Noch ein paar Fotos, die besten Wünsche unserer Mädels am Streckenrand und dann erfolgte der Start für die Jedermänner/-frauen über 100km um 8.45Uhr. Zunächst waren ca. 2km neutralisiert angesagt. Von dieser Neutralisation war aber nicht viel zu spüren, sofort ging das Tempo und der Puls hoch, zu hoch. Der erste Anstieg wartete noch vor der ersten Zielpassage, was auch nicht dazu beitrug, dass man sich hätte locker einrollen können. Der Puls schon jetzt auf Rennniveau, große Unruhe im Feld, so ging es am Rande der Altstadt entlang. Der scharfe Rennstart war dann eher zu erahnen, in dem das Tempo im bereits langezogenen Feld noch mehr angezogen wurde. Die Jagd hatte endgültig begonnen. Das endlos langgestreckte Feld flog (Tempo 45+) förmlich aus Nürnberg heraus. Man war ständig damit beschäftigt Löcher zu schließen, um den Anschluss nicht jetzt schon zu verlieren.
Die Randbezirke Nürnbergs wurden schnell passiert, es ging am und an durch Wälder und die ersten leichten Wellen, Tendenz bergauf, machten sich bemerkbar. Das Tempo im Feld war nach wie vor flott und es herrschte ein ständiger Kampf dranzubleiben. Meine Beine gaben mit bereits jetzt zu verstehen, dass sie das Tempo nicht mehr lange mitmachen würden. Hinzu kamen die üblichen Probleme im hinteren Feld, Bremsmanöver, Zieharmonikaeffekt, immer wieder Antreten raubten zusätzliche Kräfte. Irgendwann krachte es dann kurz vor mir, ich konnte aber ausweichen. Dann kam er, der erste Anstieg zum Kreisverkehr nach Kalchreuth. Sofort begann hecktisches Schalten im Feld und es rissen die ersten größeren Löcher. Ich wollte, solange es geht, Kontakt zum Hauptfeld halten, schließlich sollten noch 4 Runde folgen. An der letzten Rampe vor Kalchreuth konnte ich nicht mehr mit und sah Oli und Stefan nach vorne enteilen und suchte mir mein Tempo. Dann war zumindest der erste Anstieg geschafft, ich wieder an Stefan dran und es ging erstmal in die rasende Abfahrt (Tempo 75+). In kleiner Gruppe schafften wir es einige Kilometer nach der Abfahrt ans Ende des Hauptfeldes aufzuschließen. Im dessen Windschatten versuchte ich mich so gut es ging zu erholen, obwohl ich schon vollkommen platt war. Trotzdem versuchte ich mir die Gefahrenstellen und die Strecke für die folgenden Runden einzuprägen. Am Ende dieser ersten “Kalchreuther Runde” stand dann wieder der schwere Anstieg zum Kalchreuther Kreisverkehr auf dem Plan. Ich kurbelte mein Tempo hoch, was viel zu langsam im Vergleich zum Peloton war. Das Feld enteilte jetzt endgültig.
Runde 2 begann erneut mit der Abfahrt. In der Abfahrt fanden sich 4-5 Leute zusammen und wir fuhren so gut es ging gemeinsam. Etwa 300 Meter vor uns sah ich Stefan als Einzelkämpfer fahren. Es kostete uns aber etliche Kilometer und viel Kraft um ihn einzuholen. Die Gruppe rollte durch die Dörfer und wurde bei jeder Durchfahrt lautstarkt angefeuert. Jeder der konnte, leistete Führungsarbeit, so dass die Gruppe einigermaßen am Laufen blieb. Ich selbst war immer noch platt, ging aber trotzdem ab und an mit durch die Führung. Der Anstieg nach Kalchreuth kündigte sich damit an, dass das Tempo der Gruppe bereits einige Kilometer vorher sank. Jeder schien nochmal eine Erholungspause vorm Berg einzulegen. Im folgenden immer wieder dasselbe Spiel: Am Berg fuhr jeder sein Tempo und die Gruppe flog auseinander, oben wurde dann gewartet und sich gemeinsam in die Abfahrt gestürzt.
So ging es auch in Runde 3 und 4. Mehr und mehr merkte man die schwindenden Kräfte bei allen Beteiligten. Ich sehnte das Ende der vierten Runde herbei, um dann endlich in die Abfahrt gen Ziel gehen zu dürfen. Der letzte Anstieg war absolviert, ich endgültig fertig und noch 20 Kilometer bis ins Ziel. Mehr und mehr versuchte ich mich im Windschatten zu erholen. Aber es erholte sich nicht wirklich was. Ab und zu noch eine kurze Führung, mehr war nicht drin, hatte ich zeitweise Probleme am Hinterrad des Vordermannes zu bleiben. Wann sind wir endlich in der Altstadt fragte ich mich. Es ging vorbei am Nürnberger Flughafen und endlich wurden die Randgebiete Nürnbergs erreicht. Nach und nach zerfiel auch die Gruppe. Einige verabschiedeten sich nach hinten, Stefan und einige andere nach vorne. Und ich versuchte irgendwie am Vordermann zu bleiben. Dann endlich die Altstadt. Noch ein paar Highspeedkurven und rauf aufs Kopfsteinplaster am Hauptmarkt. Als ich den Hauptmarkt querte, hörte ich gerade wie Oliver namentlich genannt wurde. Er war also schon im Ziel und ich hatte noch ca 1,5km mit abschliessendem Anstieg. Die letzte Rampe vor dem Ziel, es fühlte sich an als würde ich stehen, nichts ging mehr. Die letzten 300Meter wurden da fast zur Ewigkeit. Dann war ich endlich oben und quetschte das letzte Körnchen aus meinem Körper in so einer Art verkappten Zielsprint. Dann war Ende und ich rollte fix und fertig wie nie zuvor aus.
Alles in allem eine schöne Strecke und ein tolles Rennen, was mit besserer Form sicher noch mehr Spass gemacht hätte. Aber trotzdem eine gute Erfahrung. Die Erholung nach dem Rennen funktionierte hingegen nicht so gut. Die Erkältung (oder was auch immer) setzte mir dann doch deutlich mehr zu als erwartet.
Daten zum Rennen:
Strecke
Fotos
Zeit: 2:42:49h
Gesamtplatz 128, Platz 43 Altersklasse Master 1, Platz 10 Teamwertung
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